Ist der Waldumbau zu teuer?

baumartenwahl

Den nötigen Baumartenwechsel scheuen viele Waldbesitzer, da sie hohe Aufforstungskosten und Ertragseinbußen fürchten. Doch trifft das auch wirklich zu?

Mit dem Jahr 2019 geht ein weiteres schwieriges Jahr auf dem Holzmarkt zu Ende. In manchen Regionen hat die Fichte bis zu 2/3 ihres Wertes verloren. Doch nicht nur der Preisverfall beim Fichtenholz macht einen Baumartenwechsel notwendig, vielmehr wird die Fichte in Regionen unter 800 m aufgrund von Trockenheit und Borkenkäfer nicht mehr zu bewirtschaften sein.

Trotzdem zögern viele Waldbesitzer den eigentlich schon längst überfälligen Waldumbau noch hinaus. Neben den aus ihrer Sicht fehlenden Alternativen zur Fichte geht vor allem die Angst um vor hohen Aufforstungskosten – und nicht zuletzt davor mit anderen Baumarten weit weniger zu verdienen als mit der Fichte.

Schadholz
Nicht nur Borkenkäfer, auch Windwurf und Schneebruch setzen der Fichte zu.
Nur auf sehr großen Kahlflächen ist eine künstliche Verjüngung notwendig.

Günstig verjüngen

Eine Kalamitätsfläche aufzuforsten kostet Geld, zweifellos. Doch nur auf Flächen die größer sind als 1 ha ist es notwendig, künstlich zu verjüngen. Denn auf kleineren Flächen sollte man als Waldbesitzer auf die Naturverjüngung verlassen. Die hat nicht nur den Vorteil, dass sie nichts kostet, die Wahrscheinlichkeit das sich standortsgerechte Baumarten durchsetzen ist ebenfalls höher. Aber auch auf größeren Schadflächen gibt es einige Alternativen zur teuren Aufforstung: Fast vergessen ist in der modernen Waldwirtschaft die Saat, die richtig durchgeführt auch ausgezeichnete Ergebnisse liefert. Und dabei wesentlich kostengünstiger ist als die Aufforstung. Gerade wegen der hohen Kosten wurde die Teilflächenpflanzung entwickelt: nur noch ein Teil der Schadfläche wird bepflanzt in Klumpen, der Rest der Fläche wird der Naturverjüngung überlassen. Aufgrund der immer häufiger werdenden Dürreperioden sollte sowieso zunächst ein Vorwald etabliert werden, da auf einer Kahlfläche Sonne und Wind selbst trockenresistenten Baumarten während der Sommermonate schwer zusetzen. Pionierbaumarten sowie einige Sträucher erobern trotzdem Kahlflächen relativ rasch zurück und das noch ohne Kosten. Danach kann entschieden werden, welche Zielbaumarten unter dem lichten Kronendach von Birke und Co. eingebracht werden, per Saat oder Teilflächenpflanzung.

Birke
Der Vorwald bietet der Verjüngung der Zielbaumarten Schutz vor Wind und Wetter.
Waldbau
Teilflächenpflanzung am Beispiel der Eiche mit Edellaubhölzern.

Brotbaum Fichte?

Die Fichte wird immer noch als die Brotbaumart der Forstwirtschaft bezeichnet. Lange Zeit war das auch korrekt, denn die Nachfrage war groß und der Holzpreis zufriedenstellend. Doch mit den großen Kalamitäten der letzten Jahre – und ein Ende ist nicht absehbar – hat die Fichte enorm an Wert verloren. Und vom Preisverfall sind nicht nur die Schadensgebiete betroffen, denn auch Waldbesitzer im Bergwald, der eigentlichen Heimat der Fichte, spüren die Konkurrenz des billigen Schadholzes. Unter diesen Tatsachen kann die Fichte zumindest die nächsten Jahre nicht mehr als Brotbaumart angesehen werden. Daher ist auch aus wirtschaftlicher Sicht ein Baumartenwechsel notwendig. Dabei sollte sich der Waldbesitzer aber bei der Baumartenwahl nicht am aktuellen Holzpreis orientieren, sondern an der natürlichen Waldgesellschaft. Denn nur ein standortstauglicher Wald wird auch in der Lage sein das Ende der Umtriebszeit zu erreichen. Natürlich kann bis zu einem Drittel mit wüchsigen Mischbaumarten wie großer Küstentanne, Douglasie, Roteiche oder Lärche ergänzt werden. Erfolgreich wird dies aber nur sein, wenn jede dieser Mischbaumarten nicht mehr als jeweils ein Zehntel der Stammzahl bilden und Vielfalt im Bestand herrscht.

Der Waldumbau ist also weder teuer noch ertragslos. Gerade die verheerenden Schäden in den Fichtenbeständen machen den Waldumbau notwendig, denn die Wachstumsbedingungen werden in den nächsten Jahrzehnten für sekundäre Nadelwälder in Tieflagen noch schlechter werden. Und durch Verleugnung der Realität wurde noch nie eine Krise gelöst.

Mischwald
Abseits von der Fichte können auch mit anderen Baumarten lukrative Preise erzielt werden.