Die Holzmärkte von Übermorgen

Die Nachfrage am Holzmarkt beeinflusst häufig die Baumartenwahl. Der aktuelle Holzpreis ist aber ein schlechter Ratgeber: denn wer kann seriös den Holzmarkt im Jahr 2100 vorhersagen?

Eines der wichtigsten Argumente, das Verfechter der Fichtenwirtschaft vorbringen, sind die Absatzmärkte. Die Fichte ist der Brotbaum der mitteleuropäischen Forstwirtschaft und zahlreiche Sägewerke sind auf den Einschnitt von Nadelholz spezialisiert. Verändern die Waldbesitzer durch einen Waldumbau ihr Produkt und bieten in Zukunft Laubholz statt Nadelholz an, dann würde sich das Holz ungemein schwerer vermarkten lassen, so der Tenor.

Dabei gilt es zu beachten: wenn diese Vertreter von Nadelholz sprechen, dann meinen sie vornehmlich die Fichte. Tanne, Waldkiefer, Lärche, Douglasie werden von den Botanikern allesamt zu den Nadelhölzern gezählt, nur von der Holzindustrie als solche nicht anerkannt. Denn seltsamerweise scheint nur die Fichte „echtes“ Nadelholz zu produzieren – wobei nachweislich die Holzeigenschaften der anderen Nadelhölzer vergleichbar sind. Am unbeliebtesten ist die Tanne – mit Ausnahme der Schweiz, dem äußersten Westen Österreichs bzw. Südwesten von Deutschland – bei den Holzverarbeitern. In vielen Sägewerken ist es üblich, für Tannenholz einen Preisabschlag zu verrechnen – argumentiert wird das unter anderem mit der längeren Trocknungszeit der Tanne und der gelblichen Färbung des Holzes. Auch mit der Douglasie konnten die heimischen Sägewerke noch keine echte Freundschaft schließen, auch wenn sie im nordamerikanischen Pazifikraum problemlos für den Holzbau Verwendung findet. Ein Grund für die Spezialisierung der Holzverarbeiter auf die Fichte mag die starke Industrialisierung der Sägewerke sein, wobei die Verarbeitung lediglich einer Holzart (Fichte) organisatorisch leichter umzusetzen ist.

Holzindustrie will billigen Rohstoff

Die Forderung diverser Lobbyisten der Holzindustrie nach einer Weiterführung der Fichtenwirtschaft zielt aber nicht nur auf eine Sicherung des benötigten Rohstoffes – also von Fichtenholz – ab, sondern auch darauf, dass der Preis sich nicht möglichst nicht verändert. Eine Abnahme des Angebots von Fichtenholz würde zwangsläufig den Holzpreis nach oben treiben und daran hat die Holzindustrie verständlicherweise kein Interesse.

Ärgerlich für die Waldbesitzer ist aber der Umstand, dass die Holzindustrie die Beibehaltung der Fichtenbewirtschaftung fordert, den Waldbesitzer aber mit seinem Produktionsrisiko gänzlich alleine lässt. Die Schäden der letzten Jahrzehnte haben das immer wieder bewiesen: nach starken Stürmen, deren Resultat riesige Mengen von Schadholz waren, mussten die Waldbesitzer das Holz rasch aus dem Wald bringen. Die Waldbesitzer waren also bestrebt das Holz möglichst schnell zu verkaufen – doch von Seiten der Holzindustrie erhielten sie in den meisten Fällen keinerlei Solidarität. Sobald die Lager- und Verabeitungskapazitäten der Holzindustrie gefüllt waren wurde die Abnahme des gelieferten Holzes verweigert – was zu einem starken Fall des Holzpreises führte. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen also, dass die Waldbesitzer wenig Grund haben auf die Wünsche und Forderungen der Holzindustrie einzugehen.

Windwurf
Die Holzindustrie profitiert von billigem Schadholz.

Der AKTUELLE Holzpreis darf die Baumartenwahl nicht beeinflussen

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum das Argument mit den Holzmärkten ein schwaches ist: Nämlich die lange Produktionszeit (Umtriebszeit) in der Waldwirtschaft. Ein Waldbestand, der heute begründet wird, ist frühestens in 80 Jahren reif für die Ernte. Das wäre dann das Jahr 2100. Wer kann ernsthaft vorhersehen, was in diesem Zeitraum noch alles passieren wird? Niemand kann seriös vorhersagen,  welche Holzarten am Ende des 21. Jahrhunderts gerade in Mode sind. Selbst bereits erfolgreich begründete Bestände, die sich aktuell im Stangenholzstadium befinden sind erst in 40 Jahren erntereif. Solche Zeiträume sind für Menschen nicht planbar.

Das Szenario, das die Waldbesitzer nach erfolgreichem Umbau von Fichtenmonokulturen dann auf dem Holz ihrer Mischwälder sitzen bleiben, scheint eher ein Schreckgespenst zu sein als ein ernstzunehmendes Szenario. Eines ist aber klar: Waldbesitzer mit vitalen Mischbeständen werden sich bei der Holzvermarktung leichter tun. Und das gilt schon jetzt.

Für die Baumartenwahl sind Standortstauglichkeit, Wüchsigkeit und Vitalität entscheidend, aber nicht der aktuelle Holzpreis.