Die Erben der Fichte

Die Fichte ist nur noch in Gebirgslagen die wichtigste Wirtschaftsbaumart. Wer diesen Wandel verleugnet, steht in naher Zukunft als Waldbewirtschafter auf verlorenem Posten.

Die Zeiten, in der die Fichte als die Brotbaumart galt, sind wohl vorbei. Seit Jahren steigen die Schadholzmengen, die Holzpreise sind im Keller und eine Besserung ist nicht in Sicht: selbst im September sind die Borkenkäferzahlen in ganz Bayern immer noch so hoch das mit einem Befall gerechnet werden muss. Abseits von den Gebirgswäldern über 1.000 m gilt es also Ersatz für die Fichte zu finden. Schon seit längerem gilt die Douglasie als Hoffnungsträger, mittlerweile hört man aber auch dass die so lange verschmähte Weisstanne der Weisheit letzter Schluss sein könnte. Beide haben aber auch ihre Schwächen: die Douglasie ist stark spätfrostgefährdet, die Tanne benötigt mindestens 800 mm Jahresniederschlag, womit sie für einige Regionen nicht in Frage kommt.

Überhaupt muss aus der Vergangenheit gelernt werden: alles auf eine Karte zu setzen, sprich auf eine Baumart, wäre nichts anderes als die bisherigen waldbaulichen Fehler mit einer neuen Baumart fortzusetzen. Abgesehen von den ziemlich anspruchslosen Pionierbaumarten hat jede Baumart ihre Stärken und Schwächen, im Fachjargon auch Standortsansprüche genannt. Diese müssen in Zukunft bei der Baumartenwahl berücksichtigt werden. Daher wird es auch nicht eine Ersatzbaumart für die Fichte geben, sondern viele, abhängig von Seehöhe und natürlicher Waldgesellschaft. Glücklicherweise hat der Waldbesitzer in Bayern die Auswahl von einer ganzen Reihe von Baumarten. Hinzu kommen noch vielversprechende Exoten wie Baumhasel, Libanonzeder und Hopfenbuche, die nach jetzigem Wissenstands geeignet erscheinen, um mit den stürmischen Zeiten des Klimawandels zurechtzukommen.

Die Fichte wird wieder eine Gebirgsbaumart. Doch selbst dort werden die Schäden durch Windwurf und Schneebruch zunehmen.

Wer streut, rutscht nicht lautet das waldbauliche Motto in Klimawandelzeiten. Dazu gehört auch, dass nicht nur die Holzproduktion im Fokus steht, sondern auch der Standortsschutz. Die Eberesche verbessert mit ihrer Streu die Bodenfruchtbarkeit, die Flaumeiche stabilisiert trockene Steilhänge, die Birke bietet bei Aufforstungen ein lichtes Kronendach zum Schutz der Jungpflanzen. In klimafitten Mischwäldern muss auch Platz für solche dienende Bäume sein neben denen, die wertvolles Holz produzieren sollen.

Wie für alle Landnutzer kommen mit dem Klimawandel auch auf Waldbesitzer große Herausforderungen zu, und es wird auch so manchen Rückschlag geben. Nichtsdestotrotz wird es mit einem durchdachten Waldbau möglich sein, produktive Wälder zu bewirtschaften. Klimawandel bedeutet eben auch einen Wandel der Bewirtschaftung. Wer weiterhin auf die Methoden der Vergangenheit setzt, für den wird das Parkett aber extrem glatt werden.

Auch ohne menschliches Zutun werden sich viele Fichtenmonokulturen langfristig in Laubwälder wandeln.

Weiterführende Links:

Waldumbau von Monokulturen

Brotbaumart Fichte? Ja, aber…

 

Hat die Fichte noch Zukunft?

Steht die Fichte vor dem Aus?