Rüsselkäfer gefährdet Wiederaufforstung

Auf Wiederaufforstungsflächen nach Sturmwurf oder Borkenkäferbefall treten an frisch gepflanzten Douglasien, Tannen, Lärchen und Fichten zunehmend starke Schäden durch den Großen Braunen Rüsselkäfer (Hylobius abietis) auf.

Der Große Braune Rüsselkäfer zählt zu den gefährlichsten Schädlingen in Forstkulturen. Er frisst an allen Nadelholzarten. Besonders gefährdet sind Kulturen von Fichte, Douglasie, Kiefer, Tanne, Lärche und Strobe bis zum Alter von 5–6 Jahren. Da sich die Larven in den Wurzeln absterbender Nadelholzstöcke entwickeln, sind ein- und mehrjährige Kulturen auf oder in naher Umgebung vorjähriger Kahlschlagflächen besonders gefährdet. Fallen aufgrund von z. B. andauerndem Borkenkäferbefall wiederholt frische Wurzelstöcke an, ist fortlaufend brutfähiges Material für den Rüsselkäfer vorhanden. Stöcke bleiben etwa drei Jahre für den Rüsselkäfer bruttauglich.

Die Fraßzeit der Käfer erstreckt sich über die gesamte Vegetationsperiode. Schwerpunkte liegen im Frühjahr (April/Mai), wenn die Altkäfer ihre Winterquartiere verlassen (Regenerationsfraß) und im Spätsommer (Reifungsfraß der Jungkäfer). Auch dieser Reifungsfraß kann, ebenso wie der Frühjahrsfraß der Altkäfer, einen sogenannten „Pockennarbenfraß“ verursachen, der die Bäumchen zum Absterben bringen kann.

Rüsselkäfer
Fraßbild des Rüsselkäfers. Foto: LWF Bayern

Handlungsempfehlungen

Kontrolle

  • Kontrollieren Sie gefährdete Nadelholzkulturen auf den Reifungsfraß der Jungkäfer (Kulturen von Fichte, Douglasie, Kiefer, Tanne, Lärche und Strobe bis zum Alter von 5–6 Jahren) auf Befall.
  • Kontrollieren Sie auch Pflanzen mit Schutzkrempen, Pflanzungen mit „gewachsten“ Pflanzen und Wuchshüllen. Diese bieten oft keinen ausreichenden Schutz.
  • Bei Wuchshüllen kontrollieren Sie, ob der untere Rand der Wuchshülle direkten Bodenkontakt hat.
  • Werden an 10 % der Kontrollpflanzen starke Fraßschäden, d. h. Ringelungsfraß oder mehrere sich überlappende Fraßstellen festgestellt, so sind Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich. Zur Abgrenzung des Fraßherdes sollten im Umfeld der Kontrollstellen weitere Pflanzen nach Fraßspuren untersucht werden.
Rüsselkäfer
Vom Rüsselkäfer bedrohte Kulturen sollten vor allem mit Laubhölzern aufgeforstet werden.

Gegenmaßnahmen

Ergibt die Kontrolle starke Fraßschäden und lässt die Prognose weitere Ausfälle erwarten, kann eine auf das Minimum beschränkte Pflanzenschutzmittel (PSM) -Anwendung nach guter fachlicher Praxis in Erwägung gezogen werden.
Derzeit sind fünf Mittel zur Spritzbehandlung bei Rüsselkäferbefall nach der Pflanzung zugelassen (Stand: 31.07.2019). Beim Spritzverfahren wird der gepflanzte Einzelbaum mittels Niederdruck-Rückenspritze und Gabel- oder Zangendüsen mit dem PSM vom Wurzelhals aufwärts auf ca. 30 cm besprüht. Damit ist eine wirksame PSM- Behandlung bei festgestellten Fraßschäden möglich.

Die jeweils aktuell zugelassenen PSM zur Rüsselkäferbekämpfung im Forst finden Sie monatsaktuell abrufbar in der Online-Datenbank »Pflanzenschutzmittel« des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit:

www.bvl.bund.de

Prävention

Waldbaulich sinnvoll zur Prävention vor Rüsselkäferbefall ist die Schlagruhe, d.h. mit der Aufforstung wird mindestens drei Jahre abgewartet, bis keine bruttauglichen Stöcke mehr vorhanden sind.
Ebenso verringert ein Vorwald Fraßschäden, da der Rüsselkäfer besonnte Freiflächen bevorzugt. Setzen Sie beim Waldumbau auf Laubholz. Der Rüsselkäfer frisst nur an Nadelholz!