Wisente: Kleiner Genpool als Risiko

Wisent

Im größten europäischen Urwald in Białowieża lebt die größte Wisentpopulation. Doch die ist gefährdet wegen ihres kleinen Genpools: die mittlerweile mehrere hundert Tiere umfassende Population ging ursprünglich aus lediglich 12 Tieren hervor. Trotzdem ist die Wisentrettung als erfolgreicher Naturschutz zu sehen, denn die letzte europäische Großtierart wurde knapp vor ihrer Ausrottung gerettet.

Der Lebensraum der Wisente sind ausgedehnte Laub- und Mischwälder. Reine Nadelwälder werden nur selten aufgesucht, Mischwäldern wird aber der Vorzug vor reinen Laubwäldern gegeben. Eine Vorliebe zeigen Wisente für Erlenbruchwälder. Im Wald von Białowieża, der nicht nur die ältesten freilebenden Wisentherden beherbergt, sondern auch das ursprünglichste und vom Menschen am wenigsten geprägte Waldgebiet in Mitteleuropa ist, machen tote Bäume etwa 20 Prozent der Gesamtholzmasse aus. Dadurch ist der Wald deutlich lichter als mitteleuropäische Wirtschaftswälder. Entsprechend kann sich eine dichtere Krautschicht entwickeln. Die jahreszeitlich unterschiedliche Entwicklung der Krautschicht in Białowieża prägt das Nutzungsverhalten der Tiere: So halten sich Wisente im Frühjahr überwiegend in Laubwäldern auf, in denen sich die Krautschicht am frühesten entwickelt. Ab Ende Mai nutzen sie bevorzugt frische Mischwälder, in denen die Krautschicht sich später entwickelt und im Juni und Juli in voller Blüte steht. Die Reviergröße einer Gruppe von Wisenten beträgt etwa 4600 bis 5600 Hektar. Der Wisent ist sehr tolerant gegenüber borealem Klima, und man geht davon aus, dass die Nordgrenze der Verbreitung während der Neuzeit vor allem durch anthropogene Einflüsse bestimmt war.