Störende Untermieter an Bäumen

Mit ihren grünen Ästen bringen sie vor allem in den Wintermonaten Farbe in den laublosen Wald. In Wahrheit sind Misteln aber alles andere als eine positive Erscheinung: mit ihrer parasitären Lebensweise gefährden sie Bäume und deren Vitalität.

Man kann der Mistel nicht vorwerfen, wählerisch zu sein: auf rund 40 Baumarten siedelt sie sich an. Es handelt sich dabei um eine einzige Mistelart (Viscum album), je nach Wirtsbaum unterscheidet die Botanik Unterarten. Äußerlich sind die drei Rassen praktisch nicht zu unterscheiden. Misteln gehören zu den Halbschmarotzern, das heißt sie betreiben selbst Photosynthese, verfügen aber über kein Wurzelwerk. Wasser und Nährstoffe entnimmt die Mistel ihren Wirtsbäumen. Als licht- und wärmeliebende Pflanze entwickelt sie sich besonders gut auf jungen Wirtszweigen mit noch dünner Rinde in oberen Baumkronen. Misteln wachsen ausgesprochen langsam und können bis zu 30 Jahre alt werden. Kann man die Mistel mit freiem Auge erkennen, so handelt es sich bereits um ein älteres Exemplar, dementsprechend fortgeschritten ist auch der Parasitismus.

Baumvitalität ist entscheidend

Für die Verbreitung sind Misteln auf Vögel angewiesen. Diese fressen die Samen und bringen sie über ihre Losung an potentielle Wirtsbäume. Ab März beginnen die Samen zu keimen. Da sie Lichtkeimer sind, verlieren Mistelsamen auf stark beschatteten Ästen rasch ihre Keimfähigkeit.  Bei einer erfolgreichen Keimung krümmt sich der Keimstengel und dringt in die Rinde des Wirtsbaumes ein. Der sogenannte Senker dringt nur langsam ein, es kann bis zu mehreren Wochen dauern dass die Rinde eines Zweiges durchwachsen wird. Bei kräftigem Dickenwachstum der Äste wehrt der Baum den Befall erfolgreich ab, das Holz überwallt den Senker und in weiterer Folge stirbt die gesamte Mistel ab. Daher ist ein Mistelbefall auch ein Zeichen für die Vitalität der Wirtsbäume. An weniger vitalen Bäumen ist ein erfolgreicher Befall wahrscheinlicher. Ausgehend vom Senker entwickeln sich Rindenstränge, über diese entnimmt die Mistel dem Baum Wasser und darin gelöste Nährstoffe. Stirbt die Mistel ab, hinterlassen die Senker leere Kanäle im Holz. Mit fortschreitender Entwicklung entnimmt die Mistel dem Ast zunehmen Wasser und Nährstoffe, so dass er mit der Zeit oberhalb der Mistel dürr werden kann.

Für Waldbesitzer haben Misteln folgende wirtschaftliche Bedeutung:

  • An stark mit Misteln besetzten Bäumen verringert sich die Holzproduktion
  • Eine am Stamm wachsende Mistel kann mit ihren Senkerlöchern das Holz am wirtschaftlich interessantesten Stammteil entwerten
  • Bei starkem Mistelbefall sterben Bäume ab, vor allem die Tanne zeigt sich sehr empfindlich gegenüber dem Mistelbefall

Eine aktive Bekämpfung der Mistel ist derzeit nicht möglich, auch weil sie in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich ist. Bäume, die mit Misteln befallen sind dürfen nicht als Z-Baum aufgezeigt werden. Um eine Weiterverbreitung der Mistel zu verhindern sollten stark befallene Bäume ebenfalls aus dem Bestand ausscheiden.

Mistelbefall an Linde.