Den Holzvorrat einfach und günstig bestimmen

Viele Privatwaldbesitzer kennen nicht den Holzvorrat im eigenen Wald. Dieser lässt sich aber mit ein paar einfachen Messungen bestimmen.

Für die Holzernte ist die Kenntnis über den Holzvorrat eines Bestandes wichtig, damit man die Wirtschaftlichkeit eines Ernteeinsatzes abschätzen kann. Zudem sind Vorverhandlungen im Holzhandel nur möglich, wenn die Holzmenge bekannt ist. Eine Möglichkeit, den Vorrat im Kleinwald zu erheben, ist die Vollaufnahme der Bestände, bei der nur ein Teil der Bäume gemessen wird. Es ist ein Verfahren das Vorrat und Zuwachs genau schätzt und mit einfachen Messgeräten durchführbar ist. Der Zeitaufwand liegt bei 5 ha-Betrieben bei ein bis zwei Tagen, bei Betrieben mit einer Größe von 20 ha benötigt der Waldbesitzer drei bis fünf Tage. Bei jeder Inventur sollte zunächst entschieden werden, welche Bestände erhoben werden. In vielen Fällen kann es genügen, die Altbestände zu erheben (> 60 Jahre) oder die Messungen auf den wertvollen Teil von Beständen zu beschränken. Im Eichen-Hainbuchenwald etwa reicht es, nur die Eiche zu messen, da ihr Holz wertvoller ist als das der Hainbuche. So verringert man den Inventuraufwand stark.

Die wichtigsten Größen bei der Inventur sind Vorrat (Holzvolumen) und Zuwachs. Um das Baumvolumen berechnen zu können, ist die Messung des Brusthöhendurchmessers (BHD) und der Baumhöhe notwendig. Der Brusthöhendurchmesser ist der Durchmesser in der Höhe von 1,3 m. Um bei den Messungen vergleichbare Werte zu erhalten, hat man sich auf diese Höhe geeinigt. Der Holzzuwachs lässt sich durch die Messung von Jahrringbreiten ermitteln.

 Messung des Brusthöhendurchmessers

Die Messung des Brusthöhendurchmessers (BHD) erfolgt mit einer Messkluppe. Messkluppen sind im Fachhandel oder via Versandhandel in einem Preisbereich von 60 bis 120 Euro erhältlich. Es empfiehlt sich eine geeichte Kluppe anzuschaffen, weil diese dann auch für die Vermessung von Blochen beim Verkauf eingesetzt werden kann. Bei der Messung des Brusthöhendurchmessers ist die Höhe von 1,3 m an der Hangoberseite zu bestimmen. Die Messrichtung ist hangabwärts. Das bedeutet, dass die geöffnete Kluppe in Fallrichtung des Hanges zeigt. Ein Praxistipp: Vor Beginn der Inventur sollte man am eigenen Körper die Höhe von 1,3 m messen. Vor jeder Messung wird die Kluppe zuerst am Körper angelegt und danach am Baum, um korrekte und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

 Messung der Baumhöhen

Zum Messen der Baumhöhe gibt es eine ganze Reihe von Messinstrumenten, die allerdings in einer Preispanne von rund 300 bis über 2.000 Euro liegen, also für den Kleinwaldbesitzer unverhältnismäßig teuer sind. Die günstige Alternativen ist Großvaters Methode Dafür benötigt man eine Referenzbasis, die sich aus einer Dachlatte (2 x 4 cm, 2 m Länge) einfach herstellen lässt. An dieser Latte bringt man Markierungen an, die weithin sichtbar sind: Gut geeignet ist eine rot-weiß-rote Lackierung, wobei sich die Farben alle 20 cm abwechseln. Alle 10 cm fügt man schwarze dünne Striche hinzu, die aber ebenfalls aus der Ferne noch gut erkennbar sein sollen. Die Messlatte wird als Referenz genutzt und wird lotrecht direkt vor oder neben den Baumstamm gestellt. Danach sucht man eine Position auf, die ungefähr genausoweit vom Baum entfernt ist, wie der Baum hoch ist. Von dieser Position sollte die Messlatte zudem gut erkennbar sein.

 

Prinzip der Höhenmessung
mit einem 20 cm langen Lineal und
einer 2 m-Basis. Man „klemmt“ den
Baum zwischen der 0 cm- und der
20 cm-Markierung ein indem man
das Lineal näher oder weiter weg
vom Auge bewegt. Dann liest man
an der Markierung der Referenzbasis
die Höhe ab. Dieser Wert wird mit 10
multipliziert, daraus ergibt sich die
Baumhöhe. Im folgenden Beispiel
wird der Wert von 1,85 abgemessen,
somit ist der Baum 18,5 m hoch.
Großvaters Methode:
Ein einfaches Lineal oder ein Zollstock wird freihängend (an einer Schnur befestigt) so weit vom Auge wegbewegt, bis sich der Wipfel mit 20 cm und der Fußpunkt mit 0 cm deckt. An der Referenzbasis (Dachlatte) wird der Punkt der 2 cm-Linealmarkierung abgelesen. Die Höhe des Baumes ist dann diese Ablesung mal 10. Bei sehr hohen Bäumen verwendet man statt einem 20 cm-Lineal besser ein 30 cm-Lineal und liest den Punkt der 3 cm-Linealmarkierung an der Basis ab.

Messung und Berechnung des Holzvorrats

Unter einer Vollaufnahme versteht man die Messung der Durchmesser aller Bäume. Die Durchmesser werden dabei in 4 cm-Klassen eingeteilt. Die Anzahl der Bäume in einer Durchmesserklasse wird punktiert.

Punktierung der gezählten Bäume: In der Durchmesserklasse 1 wurde 1 Baum aufgenommen, in der Klasse 7 7 Bäume.

Um keinen Baum zu übersehen, können bereits gemessene Bäume mittels Kreidestrich markiert werden. Sind alle Durchmesser erhoben, sollten für jede Durchmesserklasse zwei bis drei Höhen gemessen werden. Aus den gemessenen Höhen wird für jede Durchmesserklasse die mittlere Höhe bestimmt. Die Höhenmessungen sollten dabei möglichst über den ganzen Bestand verteilt sein, die Höhen sollen also nicht von Bäumen gemessen werden, die Nachbarn sind. Dies ist notwendig, um ein repräsentatives Ergebnis zu bekommen. Danach kann für jede BHD-Klasse das Volumen in Massentafeln nachgeschlagen werden. Massentafeln findet man in Ertragstafelsammlungen. Herausgeber sind in den meisten Fällen die Forstministerien der verschiedenen Bundesländer, als Beispiel die Ertragstafeln der Landesbetriebe Brandenburg.

Das Volumen aus der Massentafel mal der Stammzahl ergibt das gesamte Volumen. Ein Beispiel für die Berechnung ist in der Tabelle dargestellt. Holzvolumen und Zuwachs, die sich aus der Vollaufnahme errechnen, sind Volumen in Vorratsfestmetern. Ca. 80 % davon können auch geerntet und verkauft werden (Erntefestmeter). Etwa 20 % gehen durch Abzopfen, Rindenabzüge, Verluste durch Schnittfuge und das Übermaß beim Ausformen der Bloche verloren.

Wird der Vorrat für größere, homogene Bestände ermittelt, muss nicht der Durchmesser jedes Baumes gemessen werden. In 1 ha großen Altbeständen genügt es jeden fünften, in 2 ha großen Altbeständen genügt es jeden zehnten Baum zu messen. Die Anzahl der Bäume in den Klassen ist dann mit den entsprechenden Werten zu multiplizieren. Insgesamt sollten etwa 100 bis 150 Bäume gemessen werden. Praxistipp: Je jünger ein Bestand ist, desto gleichmäßiger sind die Durchmesser.