Corona: Todesstoß für die Forstwirtschaft?

Die ohnehin krisengebeutelte Branche wird auf vielen Ebenen von der Coronakrise betroffen sein. So könnte aus einer Krisensituation eine Katastrophe werden.

Seit dem Wochenende steht Österreich praktisch still. Durch weitreichende Maßnahmen soll die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. Das betrifft auch die Forstwirtschaft, wie stark ist leider derzeit konkret noch nicht abschätzbar. Die bisher bereit gestellten Informationen von Seiten des Ministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus zeigen, dass die Forstwirtschaft immer mehr zum Stiefkind wird: Während es ausführlich Informationen (https://www.bmlrt.gv.at, Stand 15:00) über Zivildienst und Tourismus gibt, fehlt für die Forstwirtschaft jegliche Information. Dabei wäre es für Waldbesitzer entscheidend zu erfahren, ob dringende Pflegemaßnahmen im Privatwald gleichgesetzt sind mit beruflichen Tätigkeiten und somit die Waldarbeit erlaubt ist. Auch die Rolle von Zulieferern wie Baumschulen und Forstgärten sowie der forstlichen Lohnunternehmer ist noch ungeklärt.

Auch wenn noch offizielle Informationen fehlen, wird sich das Coronavirus massiv auf die Forstwirtschaft und damit den heimischen Wald auswirken, konkret auf folgende Teilbereiche:

Holzmarkt:  Die globale Coronakrise beeinflusst mittlerweile auch die Holzmärkte. Bereits im Jänner musste der Export von Rund- und Schnittholz aufgrund fehlender Container nach China aber auch andere Überseemärkte stark reduziert werden. Die allgemeinen Corona-Restriktionen führen zunehmend auch in Europa im Export von Schnittholz und Sägerestholz – vor allem nach Italien – zu Problemen. Aufgrund der großen Verunsicherung häufen sich die Nachrichten über Produktionsdrosselungen bei den Sägewerken in Österreich. Nachdem die Rundholzlager jahreszeitlich eher unüblich bereits jetzt prall gefüllt sind, gibt es für Nadelsägerundholz bereits Zufuhrkontingentierungen und erste Zufuhrsperren. Die Waldlager bauen sich daher zunehmend rasch auf und die Preise geraten unter Druck.  Beim Laubsägerundholz bleibt die Eiche bei attraktiven Preisen weiterhin rege nachgefragt. Schlechte Laubholzqualitäten sind hingegen kaum absetzbar. Verringern die Sägewerke ihre Produktionskapazitäten noch zusätzlich, so ist mit einem Stillstand des Holzmarktes zu rechnen, was die Preise noch viel stärker unter Druck setzen wird.

Borkenkäfer: Aufgrund der starken Population des Vorjahres ist auch dieses Jahr wieder mit einem starken Borkenkäferbefall zu rechnen. Neben der äußerst schwierigen Lage am Holzmarkt wird auch die Borkenkäferbekämpfung ein Problem werden. Denn noch ist unklar, inwieweit Forstunternehmer ihre Tätigkeit weiter durchführen dürfen. Auch beim Abtransport des Holzes wird es zu Engpässen kommen, da viele Spediteure ihre Arbeitskapazitäten zurückfahren.

Aufforstungsprojekte: Die großen Kalamitäten der letzten Jahre haben zigtausende ha Blössen verursacht, die aufgeforstet werden müssen. Derzeit ist es aber noch nicht absehbar ob die Baumschulen im Zuge der Coronakrise in der Lage sind den gesamten Pflanzbedarf zu decken. Möglicherweise müssen viele Aufforstungen in den Herbst verschoben werden.

Das neue Jahrzehnt beginnt also mit massiven Herausforderungen für die Branche. Es bleibt den knapp 200.000 Waldbesitzern nur die Hoffnung, dass die (finanzielle) Unterstützung für den Wald besser und effektiver verläuft als das derzeitige Informationsmanagement seitens des Ministeriums.