Was man über Waldbrände unbedingt wissen sollte

Feuerwehr

Kann es auch im Winter brennen? Sind Nadelholzbestände leichter entflammbar? Gibt es Regionen, die besonders gefährdet sind? Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten zum Thema Waldbrand.

Was sind die wichtigsten Ursachen für Waldbrände?

In 85 % der Fälle ist Unachtsamkeit der Grund für einen Waldbrand. In Wäldern, wo seit mehren Wochen kein Regen mehr gefallen ist, kann bereits eine Zigarette reichen, um einen Waldbrand auszulösen. In gefährdeten Gebieten darf daher kein offenes Feuer entfacht werden. Die wichtigste natürliche Brandursache ist Blitzeinschlag bei Bäumen.

Lagerfeuer
Lagerfeuer die nicht überwacht werden sind eine große Gefahr.

Welche Rolle spielt die Witterung?

Entscheidender als hohe Temperaturen ist noch mehr der Mangel an Feuchtigkeit. Hat es über mehre Wochen nicht geregnet werden, trocknen speziell Gräser aus und werden zum Ausgangspunkt eines Feuers. Aber auch die Ansammlung trockener Streu – wie es für Kieferbestände typisch ist – führt zu Waldbränden. Daher kann es auch in Wintermonaten, wo es keinen Niederschlag gibt, zu brennen beginnen.

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Die Hotspots, in denen es besonders oft brennt sind bekannt: Betroffen sind das Inntal, der Südosten Niederösterreichs, die Obersteiermark sowie der Süden Kärntens. Zu den am meisten waldbrandgefährdeten Gebieten Deutschlands zählen in großen Teilen das Nordostdeutsche, das östliche Nordwestdeutsche und das Oberrheinische Tiefland. Ausgedehnte Kiefernwälder gehen in diesen Regionen mit leicht brennbarer Bodenvegetation und einem trockenen Waldinnenklima einher.

Über die aktuelle Waldbrandgefahr informiert der deutsche Wetterdienst und das ZAMG.

Vollfeuer
Vollfeuer sind am schwierigsten zu bekämpfen, auch weil sie sich bis zu 1200 m pro Stunde ausbreiten können.

Brennt Nadelholz eher als Laubholz?

Nadelholz hat eine stärkere Tendenz zu brennen als Laubbäume. Nadelbäume wie die Kiefer enthalten neben Harz auch noch verschiedene Öle, die das Holz leichter brennen lassen als das bei Laubbäumen der Fall ist. Die Streu von Nadelbäumen ist ebenfalls leichter entzündbar als die von Laubbäumen.

Welche Baumarten eignen sich in gefährdeten Gebieten?

Auf relativ armen Standorten hat sich die Roteiche als geeignet erwiesen. Werden Waldbrandriegel aus Roteiche von einem Feuer durchlaufen, so können die Stämme im folgenden Winter auf den Stock gesetzt werden und treiben im kommenden Jahr üppig aus. Auch die Traubeneiche kann durch Stockausschlag austreiben, wenn sie nach Bodenfeuern auf den Stock gesetzt wird. Anspruchsvollere Baumarten wie Buche oder Traubeneiche können auf besseren Standorten angebaut werden. Die Buche wird am besten durch den Unterbau in die Bestände eingebracht. Dadurch wird der Graswuchs unterbunden und das Laub isoliert den Brennstoff am Boden von jenem im Kronenraum. Für den Unterbau auf besseren Standorten eignen sich die Baumarten Linde, Ahorn oder Hainbuche. Die Birke bildet eine Ausnahme, da bei extremer Trockenheit Rinde und grünes Laub brennenkönnen. Zudem bildet sie lichte Bestände, in denen sich wieder leicht brennbares Gras ansiedelt.

 Kronenfeuer

Jungbestände bzw. Bäume mit tiefhängenden Ästen sind besonders anfällig für Kronenfeuer.

Welche Arten von Feuer gibt es?

Bodenfeuer verbrennen hauptsächlich die Bodenvegetation, also Gräser, Kräuter und die Verjüngung. In Beständen, wo nicht viel brennbares Material vorhanden ist wie etwa dürre Äste, richten Bodenfeuer nur wenig Schäden an. Ist jedoch viel brennbares Material im Bestand, kann sich das Bodenfeuer zum Kronenfeuer weiterentwickeln. Beginnen ganze Bäume zu brennen und umfasst der Brand mindestens eine Baumlänge, spricht man von Vollfeuer. Vollfeuer verursachen die stärksten Waldbrände, die meist zu einem Totalverlust des Bestandes führen. Bodenfeuer sind am leichtesten zu bekämpfen, Vollfeuer am schwierigsten. In Verbindung mit starken Winden können sich Vollfeuer schnell verbreiten. Bei intensiven Bränden ist es sogar möglich, dass das Feuer selbst über die Breite einer Straße von Krone zu Krone überspringt.

Wie kann der Waldbesitzer waldbaulich vorbeugen?

Die wichtigste waldbauliche Methode um das Waldbrandrisiko zu senken  ist die Förderung von Laubbäumen. In manchen Beständen wird die Beimischung von weniger wüchsigen Laubhölzern die Holzproduktion schmälern. Die Bestandesstabilität ist aber wichtiger als der Holzzuwachs. Laubbäume haben zwei Effekte: ihre Streu ist nicht so leicht entflammbar wie die von Nadelbäumen und die Bäume enthalten mehr Feuchtigkeit.

Eine weitere  waldbauliche Methode ist es, mögliche Feuer zu isolieren. Dafür werden im Bestand Flächen angelegt, in denen das Feuer keinerlei Substrat findet. Dafür kommen Wundstreifen, Schutzstreifen und Waldbrandriegel in Frage. Wundstreifen sollen die Verbreitung von Feuer komplett verhindern. Dazu werden Flächen von etwa einem Meter Breite angelegt, die von brennbarem Material und humosen Oberboden befreit werden. Durch einen Wundstreifen wird das Durchlaufen eines Bodenfeuers verhindert. Wiederholtes Eggen oder Pflügen in der Waldbrandsaison hält die Funktion aufrecht.

Schutzstreifen sind ca. 20  bis 30 Meter breite Flächen, die von leicht brennbarem Material (Reisig, dürre Äste, Gestrüpp) befreit werden. Ebenso werden schwache und trockene Bäume entfernt. Da wenig Brennmaterial vorhanden ist, können Bodenfeuer nicht auf den Kronenraum übergreifen. Waldbrandriegel sind 100 bis 300 Meter breite Flächen, die mit brandhemmenden Laubbäumen bewachsen sind.

Ein Waldbrandriegel soll Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln sowie der Feuerwalze die Energie entziehen. Aufgrund des großen Flächenbedarfs von Waldbrandriegeln ist hier die Kooperation von mehreren Waldbesitzern notwendig. Auch der Verlauf eines Waldbrandriegels muss richtig geplant werden. Da der Wind meist aus Westen bläst, sollen die Riegel von Norden nach Süden verlaufen um eine Barriere für das Feuer darzustellen.

Die Bekämpfung mit Löschflugzeugen hat sich in Deutschland nicht bewährt weil es zuwenig geeignete Flughäfen und Löschwasserentnahmestellen gibt.

Welche technischen Vorsorgemaßnahmen gibt es?

Das wichtigste Löschmittel ist immer noch Wasser. Löschteiche dienen der Feuerwehr dazu in unmittelbarer Brandnähe Wasser entnehmen zu können. In großen, zusammenhängenden brandgefährdeten Waldgebieten ist es hilfreich solche Löschteiche anzulegen. Dabei können entweder natürliche Gewässer genutzt oder künstliche Teiche angelegt werden. Bei der Neuanlage von Löschteichen ist eine Abstimmung der Waldbesitzer, der Forstbehörde sowie der Feuerwehren unbedingt notwendig. Wichtig ist, das Entnahmestellen der Feuerwehr bekannt und für Löschfahrzeuge auch erreichbar sind. Laufende Kontrollen der Löschteiche, speziell in den Sommermonaten, garantieren deren Einsatztauglichkeit.

Beim Bau von neuen Forststraßen sollte in waldbrandgefährdeten Gebieten ebenfalls die lokale Feuerwehr eingebunden werden. Während der Brandsaison ist darauf zu achten, dass die Froststraßen frei und befahrbar sind und nicht Hindernisse (abgestellte Forstmaschinen, provisorische Holzlager)

Wie soll sich der Waldbesitzer im Brandfall verhalten?

Wer einen Waldbrand oder einen Brand in der Nähe des Waldes entdeckt, kann – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen – mit Löschversuchen beginnen. Hierbei helfen schon einfache Mittel wie z. B. Sand oder Erde zum Auswerfen oder grüne Zweige zum Ausstreichen des Feuers. Wenn erste Bekämpfungsmaßnahmen erfolgt sind und der Brand möglicherweise gelöscht wurde, ist die Feuerwehr in jedem Fall unmittelbar zu informieren. Denn Glutreste können im Untergrund immer noch glimmen und das Feuer neu entzünden.

Wenn das Feuer nicht selbst gelöscht werden kann, ist die Feuerwehr so schnell wie möglich zu alarmieren. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgt in Deutschland über den Notruf 112 und in Österreich über den Notruf 122.

Wie geht es nach dem Waldbrand  weiter?

Waldbrandflächen sind sogenannte Störungsflächen, die vor allem von Pioniervegetation erobert werden. Wie lang das dauert, hängt vor allem von der Intensität und der Temperatur des Waldbrandes ab. Bei starken Vollfeuern werden auch Wurzeln sowie die meisten im Boden befindlichen Samen zerstört. Daher kann es einige Jahre dauern, bis die Samen von anderen Baumarten anfliegen und keimen. Durch die Asche sind Brandflächen reich mit Nährstoffen ausgestattet, auf Hanglagen kann es aber durch Niederschläge zur raschen Auswaschung kommen. An ehemaligen Waldbrandflächen siedeln sich zahlreiche Pflanzenarten an, sie sind daher auch ein beliebter Äsungspunkt für das Wild. Um die jungen Bäume vor Wildverbiss zu schützen können verkohlte Stämme auf der Fläche liegengelassen werden, sofern es die Arbeitssicherheit zulässt.