Verfehlte Waldwirtschaft?

Harvester

Gerhard Heilingbrunner, Jurist und Präsident des Kuratoriums für Wald beklagt in der Kronen Zeitung eine verfehlte Waldwirtschaft. Doch was hat es mit den Vorwürfen auf sich? Blickt man sich viele der Vorwürfe, die Heilingbrunner auflistet, an, so sind diese falsch und zeugen von fehlendem Wissen der gängigen Forstpraxis. Oder sind teilweise auch an die falsche Adresse gerichtet: Denn eigentlich sollte der Präsident des „Kuratoriums für Wald“ wissen, dass etwa für die fehlenden Bäume in Wien nicht die Forstwirtschaft, sondern die Stadtplanung zuständig ist. Ebenso sein Vorwurf der hohen Wildbestände: gerade die Forstwirtschaft beklagt diese seit Jahrzehnten und kann dafür kaum verantwortlich gemacht werden.

Einige Beispiele weiterer falscher Vorwürfe (kursiv im Original):

Sogenannte „Rückegassen“ werden dann brutal in so manchen Tann geschlagen. Das sind bis zu sechs Meter breite Schneisen, durch die sich gewaltige Holz-Erntemaschinen ihren Weg bahnen und tiefe Furchen im sensiblen Naturboden hinterlassen.

Rückegassen sind normalerweise nur 1 m breiter als das Rückefahrzeug. Genügend Abstand wird benötigt damit das gezogene Holz den verbleibenden, angrenzenden Bestand nicht beschädigt. Natürlich verdichtet der Holztransport den Waldboden – aber deshalb wird dieser ja auf die Rückegasse beschränkt. Mittels Boogie-Bändern, Reisigauflagen und dem Transport auf sehr trockenem bzw. vereisten Rückegassen können die negativen Effekte erheblich eingeschränkt werden. Zudem zeigen neue Studienergebnisse das Erlen in der Lage sind verdichtete Böden zu besiedeln und zu regenerieren.

Bei der optimalen Feinerschliessung fügt sich die Rückegasse nachhaltig in das Waldgefüge ein. Foto: SVB

Durch die gängige Kahlschlagwirtschaft in unseren Wäldern, bei der ganze Waldflächen in einem abgeholzt werden, verliert der Wald seine natürliche Struktur und somit seinen Schutz.

In Österreich müssen Kahlschläge über 0,5 ha von der Behörde genehmigt werden und dürfen 2 ha Größe nicht überschreiten. (§ 82 Forstgesetz: Verbot von Kahlhieben). Von flächenhaftem Abholzen kann also nicht die Rede sein.

Kahlschlag
Kahlflächen entstehen auch auf natürliche Weise, etwa durch Lawinen, Waldbrände oder Insektenvermehrungen.

Wälder weltweit sind neben den Weltmeeren die wichtigsten natürlichen Klimaanlagen unseres Planeten. Ohne die Bäume wird der Kampf gegen Klimawandel und Überhitzung nicht zu gewinnen sein.

Hier wird unterstellt das die Wälder gerodet werden, nicht geerntet. In Österreich herrscht aber eine Aufforstungspflicht, kommt dieser der Waldbesitzer nicht nach so wird beauftragt die Bezirksforstbehörde einen Lohnunternehmer damit.

Der Mensch hat den ursprünglichen Baumbestand des Planeten bereits auf die Hälfte reduziert. Derzeit wird jedes Jahr ca. 15 Milliarden ha gefällt oder wie am Amazonas niedergebrannt. Wo gestern noch Regenwald stand, weiden morgen schon Rinder.

Das stimmt, kann man aber schwer den heimischen Waldbesitzern vorwerfen, die sich im Gegensatz zu anderen Ländern (Brasilien, USA Russland) an strenge Forstgesetze halten müssen und die Nachhaltigkeit leben.

Damit unsere Bergwälder nachhaltig wieder intakt werden können, müssen die Wildbestände drastisch reduziert werden und die jagdlich-kommerzielle Trophäenwirtschaft gehört verboten.

Das würde jeder Waldbesitzer sofort unterschreiben – aber das liegt auch durch das aktuell geltende Jagdrecht wahrlich nicht in den Händen der Waldbesitzer. Die hohen Wildbestände resultieren im Übrigen aus einem viel besseren Futterangebot durch eine produktivere Landwirtschaft.

Alle Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens sind im Wald konsequent umzusetzen. Nie mehr Holz ernten als nachwächst.

Gängige Praxis seit 200 Jahren – wird auch Nachhaltigkeit genannt.

Verbot von Kahlschlägen im Wald, da dadurch mehr CO2 freigesetzt als gebunden wird – rascher Umstieg auf Einzelstammentnahmen.

Kahlschläge sind jetzt schon reglementiert. Zudem macht bei der derzeitigen Käfersituation ein generelles Verbot von Kahlschlägen kaum einen Sinn – wenn zur Bekämpfung des Käfers ganze Waldstriche eingeschlagen werden müssen würde es für die Waldbesitzer noch zusätzlich die Bekämpfung erschweren, wenn sie dabei gegen das Forstgesetz verstoßen würden.

Verzicht auf Einsatz von schweren Holzerntemaschinen.

Polemisch gefragt: Zieht Herr Heilingbrunner die tonnenschweren Lasten aus dem Wald? Pferderückung ist keine echte Alternative, da derzeit kaum ausreichend viel Pferde zur Verfügung stehen, zudem ist die Produktivität viel geringer. Der korrekte Einsatz von Forstmaschinen schont den Waldboden – und ist gelebte Praxis bei Waldbesitzern und forstlichen Lohnunternehmern.

Zusammengefasst: Viele der Forderungen sind polemisch und es wird der Eindruck erweckt es ginge Heilingbrunner nur um die mediale Bühne. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass die Homepage des Kuratoriums für Wald wenig Hinweise aufweist für Waldbesitzer wie den ökologische Waldwirtschaft aussehen sollte, dafür jede Menge Werbung für das Erholungsprojekt „Am Himmel“. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Waldarbeit
Ohne nachhaltige Forstwirtschaft kein Rohstoff Holz – der erneuerbar ist und CO2 speichert. Foto: Alexander Haiden/BMNT.