Friederike: Bilanz einer Katastrophe

Vor einem Jahr wütete das Sturmtief „Friederike“ in Nordhessen. Das Schadereignis schwemmte nicht nur in Hessen, sondern auch in den angrenzenden Bundesländern viele Millionen Kubikmeter Holz auf den Markt. „Um den Holzmarkt zu entlasten, haben wir im vergangenen Januar sofort die Frischholzernte für Nadelholz im gesamten Staatswald gestoppt, damit zunächst die umgeworfenen Bäume genutzt werden konnten“, erläuterte Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst, das Vorgehen des Landesbetriebs. In enger Abstimmung mit den Partnern für Holzerntearbeiten, im Transportgewerbe, den Genehmigungsbehörden und nicht zuletzt der Säge- und Holzindustrie wird seither alles darangesetzt, Werte zu sichern und den Schaden zu begrenzen.

Darüber hinaus wurden zur Marktentlastung große Holzmengen aus dem Staatswald eingelagert, um die Qualität und spätere Verwendbarkeit über mehrere Jahre zu sichern: Aktuell sind rund 6% des Sturmholzes auf Nasslagerplätzen konserviert. 70.000 Festmeter liegen in Trockenlagern und 15.000 Festmeter unter Folie. Dennoch führten der Sturm Friederike und die Folgeschäden zu einem unvermeidbaren Überangebot an Nadelholz. Das wirkt sich zwangsläufig auch auf die Preise aus. HessenForst wird die reguläre Nadelholzernte auch in den kommenden Jahren einschränken. „Nur so haben wir eine Chance, die uns wichtige Balance zwischen dem Holzzuwachs und einer nachhaltigen Nutzung wiederherzustellen“, betonte Gerst. Die meisten Windwurfflächen sind inzwischen freigeräumt, das Holz ist zu großen Teilen abgefahren. „Bei der Wiederbewaldung hat für uns die Naturverjüngung zunächst Vorrang“, erläuterte Gerst das weitere Vorgehen, „dort, wo erforderlich, werden wir jedoch spätestens ab dem Herbst 2019 auf den Freiflächen Forstkulturen anlegen“. Bei der Wiederbewaldung achte HessenForst darauf, dass die neue Waldgeneration möglichst klimarobust heranwächst – die Förderung von Mischbeständen sei dabei ebenso selbstverständlich wie eine scharfe Bejagung von Reh- und Rotwild, bis die Forstpflanzen „aus dem Äser gewachsen“ sind.

Insgesamt sind durch den Orkan Friederike immens hohe Schäden am Wald entstanden. Große personelle, organisatorische und finanzielle Anstrengungen waren und sind weiter notwendig, um die Schäden für den Wald und den Forstbetrieb zu begrenzen. Aufgrund intensiver Schulungen und des verantwortungsbewussten Arbeitens der Forstwirte und Forstwirtinnen sind bei der gefahrenträchtigen Windwurfaufarbeitung erfreulich wenige Unfälle passiert. Es bedarf nun weiterer, intensiver Anstrengungen, um die Freiflächen wieder zu bewalden und die heranwachsende Generation an Bäumen fit zu machen für den prognostizierten Klimawandel mit extremen Witterungsereignissen.